Manch Ausweg entpuppt sich als auf Abwege geraten.

Manche Abzweigung, die vermeintlich für einen Ausweg gehalten wurde, entpuppt sich als auf Abwege geraten. Das mag eine große Ent-täuschung sein, ernüchternd – um endlich wieder klar sehen zu können.

Manchmal muss mancher erst völlig in die Irre geraten, um wieder auf den ‘rechten Weg’ zu gelangen.

Mancher muss erst von allen guten Geistern verlassen nur noch schwarz sehen, bevor er bereit ist, wahrem Übel auf den Grund zu gehen und sich davon zu befreien.

Manches braucht erst keinen Ausweg mehr, um zu erkennen, worum es wirklich geht.

Und manchmal muss erst soviel Böses überhand nehmen, damit gut und böse wieder unterschieden werden kann.

Trigger

Wenn das innere Kind an alte Wunden berührt wird, sagt der Erwachsene ‘Du hast mich verletzt’ und der ursprüngliche Konflikt wird versucht weiterzuschieben, statt die Gelegenheit zur Lösung zu nutzen.

Konflikte mit wichtigen Bezugsperson der Kindheit, die damals und bis heute nicht gelöst werden konnten, werden zu einer Art ‘Fluch’ und manche bezeichnen es als ‘verfolgt werden’, manchmal ein Leben lang.

Beispiel Scheidung von Eltern. Das Kind erlebt nicht nur einen Verlust eines geliebten Menschen, dass es verlassen wurde, sondern auch oft die Ohnmacht, und auch da, um diese Ohnmachtsgefühle um jeden Preis zu vermeiden, wird automatisch verantwortlich eher ‘schuldig’ gefühlt, geglaubt nicht liebenswert genug zu sein, Scham, irgendetwas ja wohl falsch gemacht haben zu müssen oder oft sogar eine echte Schuldzuweisung, allein weil es existiert am Leid der Erwachsenen schuld zu sein uvm.

Oder ein Kind wächst auf mit einem Alkoholiker, depressiven Elternteil oder anderen Krankheiten und konnte nicht retten.

Möglicherweise hat eine Mutter/der Vater das Kind / die Kinder permanent manipuliert und bei jeder Gelegenheit ‘Schuldgefühle eingeimpft’, so wird es erlebt und hat dabei eigentlich die eigenen Schuld- und Schamgefühle loswerden wollen.

Das innere Kind konnte den Konflikt damals nicht lösen. Deshalb begegnet es immer wieder Personen, die es so ähnlich oder genauso behandeln wie damals die ursprünglichen Bezugspersonen.

Besonders häufig sind diese Trigger = Auslöser Vorgesetzte, Autoritäten, Politiker, Profs und Partner. So versucht ein Mensch, einen alten Konflikt mit Stellvertretern zu lösen.

Dauerschleifen

Auch wenn es mal gelingt, in einer ähnlichen Situation einen ‘Ausweg’ oder eben Abwege gefunden zu haben, fühlt sich das umso toller an, unangemessen toll und das ist besonders alarmierend, denn es hat sich noch nichts an den Wunden der Kindheit geändert.

Solange wir noch nicht genug Informationen klar sehen, unsere Wunden kennen und uns ihrer annehmen und das ‘big enough picture’ sehen, solange sind wir zwangsläufig gefangen, Schmerz der Kindheit wieder und wieder zu erleben.

Die Schematheorie

Die Schematheorie nach Jeffrey E. Young, gibt Aufschluss darüber, warum wir bspw. immer wieder Menschen anziehen, die unseren Urschmerz triggern und zeigt die diversen ‘Lebensfallen’ auf.

Es wird oft von ‘toxischen’ Menschen oder Beziehungen gesprochen und damit eigentlich auch zack Schuld zugewiesen oder loswerden gewollt!

Wenn wir toxisch mit verwundet ersetzen, kommen wir der Sache auf den Grund, worum es tatsächlich geht. Häufig wird von toxischen Beziehung im Zusammenhang mit Narzissten und Empathen und ihrer Symbiose gesprochen und das Dramadreieck aus Täter, Opfer und Retter eifrig weitergespielt. Toxisch ist, wer eigentlich von Schamgefühlen getrieben all die unschönen Seiten offenbart und meint mit Lug und Trug, Täuschung, Manipulationsstrategien, den ‘red flags’ der Narzissten in all ihren Perfiditäten besser durchzukommen.

Schauen wir hinter die Maskerade, dann können wir erkennen, dass es um tiefe Wunden geht und eventuell andere Optionen finden, damit umzugehen, die nicht die Dysfunktionalität weiter schüren. Keine Wunde kann heilen, solange sie um jeden Preis versucht wird zu vertuschen und ‘schützen’ und solange nicht erkannt wird, dass nicht die ursprüngliche Wunde geschützt wird, sondern das Verwunden.

Die Lebensfallen

Die Lebensfallen nach Young sind eigentlich Wunden.

Die Lebensfallen bzw. Wunden zu kennen kann hilfreich sein, die jeweilige Ausprägung bei sich selbst zu entdecken. Um die einzelnen Wunden lohnt es sich, vertiefter sich jeweils zu befassen.

  1. Abhängigkeit / Dependenz / Co-Abhängigkeit / Unselbständigkeit / Mangel an Selbstwirksamkeit
  2. Anspruchshaltung / Grandiosität / Selbstherrlichkeit / Überheblichkeit / Unfehlbarkeit und das Antidot Anspruchslosigkeit / Bescheidenheit / unmäßige Dankbarkeit / Unfähigkeit
  3. Emotionale Entbehrung / Vernachlässigung
  4. Emotionale Gehemmtheit
  5. Entfremdung
  6. Misstrauen / Missbrauch
  7. Negativität / Pessimismus
  8. Selbstaufopferung
  9. Strafneigung / Härte / Mangel an Fehlertoleranz / Konfliktunfähigkeit
  10. Streben nach Zustimmung und Anerkennung
  11. Unerbittliche Standards
  12. Unzulänglichkeit / Scham
  13. Verlassenheit / Instabilität
  14. Verletzbarkeit
  15. Versagen
  16. Verstrickung

Sobald ursprüngliche Wunden ans Licht kommen dürfen, können sie heilen und es können gesunde Umgangsformen und Begegnungen erst erwachsen.

Ein neues Learning… Sobald wir unsere Wunden geheilt haben, begegnen uns immer mehr Verwundete und die Kunst ist wohl, ihnen die Wahl zu lassen, ob sie weiter die Verwundung pflegen und wie gegebenenfalls nicht mehr mitzuspielen oder ob sie endlich heilen mögen.

Wo viel Schatten ist, muss viel Licht verborgen sein.

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