Menschen lehren Menschen vieles, für vieles muss man sogar eine Zulassung erlangen, aber lernen, wie lieben und leben lebenswert geht…?

can you see me

… vielleicht hab ich ja in der Sterbebegleitung Menschen helfen können zu sterben, weil mir niemand beigebracht hatte, wie leben geht… Das konnte ich besser. Da kenne ich mich aus.

Ariane Nickel
Großmutter

Als ich 13 Jahre alt war, erinnere ich mich, an das letzte und eigentlich auch überhaupt das erste längere Gespräch mit meiner Oma. Sie redete sonst nicht viel. Wir verbrachten viel Zeit einfach beieinander, sie war da und ich durfte auch einfach da sein. Ich habe in all der Zeit von ihr niemals ein einziges böses Wort über niemanden oder je eine abwertende Äußerung gehört. In diesem letzten Gespräch wollte sie mich behutsam vorbereiten, dass wenn die Sanitäter bald eintreffen, sie dieses Mal nicht mehr wieder zurück kommen werde. Sie wiederholte diese Botschaft einige Male mit unterschiedlichen Worten, als ob ich sie nicht verstanden hätte.

Ich fragte sie, ob sie sich fürchte? Da gestand sie mit, dass sie Angst habe. Ich tröstete sie und sagte, sie brauche keine Angst zu haben, es gäbe überhaupt keinen Grund dafür. Ich erzählte ihr, es wird alles leicht, klar, wir würden es hier als ‘wundervoll’ bezeichnen, und aus unserer Sicht, wie ‘sehr sehr helles Licht in purem Licht’ sein. Und für einen Moment konnten wir beide wie in dieser Vorstellung vereint versinken, bis es an der Tür klingelte und die Sanitäter sie abholten. – Was ich erst mehr als 30 Jahre später begreifen konnte war, sie hatte Angst… um mich. Sie wollte mich behutsam vorbereiten, was (ohne sie) auf mich zukam (…).

Ich durfte sie nicht mehr besuchen… In der Klinik konnte sie sehr bald niemanden mehr erkennen, keines ihrer acht Kinder, meine Tanten und Onkel, aber sie sagte bis zuletzt laut den Schwestern, immer und immer wieder meinen Namen – und den meines Vaters. Sie war die Mutter meiner Mutter und meine Eltern bereits einige Jahre geschieden. Das einzige Mal seit er an meinem 10. Geburtstag plötzlich weg war, und für viele Jahre, dass ich meinen Vater nochmal sah, war, als letzter nach vielen fremden Menschen, am Grab meiner Oma bei der Beerdigung. (…)

Später in meinem Leben…

suchten mich immer wieder Menschen auf, die von den Medizinern aufgegeben wurden, einige kamen für ‘wundersame’ Heilungen, andere, damit ich sie begleitete, das Dasein sein zu lassen. Ich arbeitete einige Jahre mit um die Tausend Menschen, teils auf der Schwelle des Todes, teils in komplexen Lebens-Krisen verstrickt, teils wieder auf die sogenannte Sonnenseite des Lebens, teils wie es oft auch bezeichnet wird, auf dem Weg ins Licht.

Irgendwann war ich dann soweit – heute sage ich ‘bereit’ und hatte das Gefühl, nicht mehr (so weiter machen) zu können… und ich hörte mit allem auf, Beziehung/en, Arbeit, sogenannten Freunden, dann auch Radio, TV, Facebook usw. Ich hatte nur einen Wunsch: Zeit, – mit mir selbst… und ich nahm sie mir einfach und ließ alles so sein wie es ist.

Eine zeitlang, als mir nach und nach diverse Erinnerungen in den Sinn kamen, teils schreckte ich monatelang am eigenen Schrei aus dem Schlaf auf und befand mich bereits auf zwei Beinen vor dem Bett, teils meditierte ich, – ich empfand es allerdings anfangs eher als ‘irgendwie versuchen noch zu atmen’, da schien es mir, ‘als gehe ich ein zweites Mal durch die Hölle, nur diesmal mit offenen Augen’. Es dauerte immer wieder einige Zeit bis ich mich erholen und vor allem sortieren konnte, denn mit jeder Erinnerung verwandelt sich alles, was davor gegolten hatte. Ich verbrachte 3 Jahre ‘OFF’.

Wenn du z.B. gelernt hast, dass deine Existenz eine Zumutung ist und du sie dir tagtäglich verdienen musst… , dir im Zuge einer Krebsdiagnose gesagt wird, du hast, wenn du Glück hast, noch etwa sechs Monate zu leben… , wenn du sagst ‘meine Welt ist in Tausend Scherben zerbrochen’, weil alle gehen, die funktional mit dir umgegangen sind und das Dysfunktionale deine kleine Welt zu beherrschen scheint und du bist gerade mal Kind oder Teenager… , wenn du mehr Familie in der geistigen als in der materiellen Welt hast… , wenn du, als du mal wieder jemandem in Not zu Hilfe eilen wolltest, trotz starker Migräne, auf einmal nicht weißt, wie du tagelang in die Gewalt von Fremden geraten bist und mehr oder weniger lebendig doch noch davon kommst, … wenn du über die Nahtoderlebnisse von Betroffenen liest und denkst, da ist genau beschrieben, was ich schon mehrfach erlebt habe…, wenn du über den Verlust deines Kindes trauerst…, wenn du mit einem Tabu der Familie seit der Kindheit irgendwann glaubst, nicht mehr weiter leben zu können, weil du trotz allem Gelernten und für so viele als nützlich erwiesenen, nicht weißt, wie… , wenn du 3 Jahre einfach OFF gehst, um einfach zu sein, in Stille, nicht Tun praktizierst… u.a. – da lernst du mehr und vor allem anderes, als in all den Büchern, Studien und Fortbildungen zusammen.

Ich habe gelernt, ‘unverkraftbares’ zu verkraften, ungesehenes zu sehen, ungehörtes zu hören, unwillkommenes zu lieben… ich hab mich wie ‘selbst geboren’, studiert und trainiert, was man an keiner Universität gelehrt bekommt, aber in uns wie auftaucht, wenn man es zulassen trainiert und vor allem entdeckt und übt, WIE lebenswertes Leben (trotz allem) möglich ist.

Menschen lehren Menschen vieles, für vieles muss man sogar eine Zulassung erlangen, aber lernen, wie lieben und leben lebenswert geht…?, “das muss jeder selbst herausfinden”? – das kann jede/r nur für sich und auf seine eigene Art und Weise lernen.

Interessant und förderlich und einfach oft sehr schön empfinde ich nach wie vor, im Worte lesen von jemandem, der sich echt mitteilt, miteinander Learnings teilen, so manche Synchronizität, Resonanz und Kohärenz zu erfahren. Damit hatte ich wieder ‘angefangen’, dann irgendwann auch vertrauliche Dialoge zu schreiben, irgendwann auch zu sprechen, teils auch mal ‘darüber’, was war und wie es für mich ist… und dann begonnen zu schreiben, posten, kommentieren, vernetzen, austauschen… usw.

Meine einzige Aufgabe im Leben, die zählt, ist tagtäglich ein Leben zu gestalten, in dem die Seele im Körper tanzen mag.

Ariane Nickel

Es kann angenehm sein und wohltuend, leichter, weniger schmerz- und mühevoll, mit einer Art ‘Hebamme’ – egal ob es ums Sterben und/oder Leben geht.

Ich bin noch immer da – und ich kann vieles nicht mehr, nicht mehr mittragen, mitmachen… ich spüre wie eine extrem feingetunte Stimmgabel, ob etwas dysfunktional oder funktional wirkt – ich glaube auch, das kann jede/r, unterschiedlich intensiv, wahrnehmen, und es bedarf der Übung. Viele leiden (noch) unter eigentlich genau dieser Fähigkeit und dem Talent, die/das uns keiner (ganz) nehmen kann. Es hat nur kaum einer gelernt, damit wie umzugehen – vielmehr ver-lernt? – nicht kämpfen, flüchten oder sich totstellen, sondern Neues gestalten und neue Methoden entwickeln und experimentieren und inspiriert kreatives Schaffen.

Es geht mE in der Essenz darum, zu lernen, Dysfunktionales funktional zu meistern, nicht zu verwechseln mit funktionieren.

Ariane Nickel

Es ist aus meiner Sicht das wichtigste Training im Leben, in uns alles aufzuspüren, auf unsere innere Wahrnehmung zu vertrauen und auch mit dieser Führung zu leben, statt so oft dagegen. Das ist für mich ‘lebenslanges Lernen’ und geht auch gemeinsam, je geübter, umso leichter, angenehmer und in dem Fall schöner und manchmal auch lustig/er 😉

Kannst Du Dir vorstellen, teil einer Gruppe zu sein, die sich miteinander und füreinander dabei begleitet und unterstützt, bewusst sich manchmal einstimmt, im individuellen Lernen und Trainieren, lebenswert zu leben und zu lieben… gemeinsam üben, üben, üben?

– oder auch eine kleine vertrauliche 1:1 ‘Gruppe’ unter 4 Augen und Ohren im geschützten Raum.

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